IM ANTLITZ DES GENIES

Er war ein schweigsamer Denker, ein expressiver Künstler und zugleich visionärer Geschäftsmann. Menschen, die das seltene Glück hatten mit ihm ins Gespräch zu kommen, beschrieben ihn als genial und belesen. Andere empfanden ihn als unheimlich oder sogar wahnsinnig. Und auch uns ist es nach mehr als drei Jahren der intensiven Beschäftigung mit seiner Person und seinem geheimnisvollen Nachlass nicht gelungen, ein eindeutiges und klares Bild von Morten “Escape” Delapore zu zeichnen.

Die nachfolgenden Beiträge sind eine Verbeugung vor jenem Menschen, dem wir die Idee zu MOTEL ESCAPE verdanken, auf dessen Spuren wir wandeln und der uns immer wieder aufs Neue inspiriert und beflügelt. Das Wissen über ihn haben wir aus einem Schiffscontainer gewonnen, der uns im September 2017 unter dem Titel “Delapore-Nachlass” durch eine Speditionsfirma zugestellt wurde. In ihm fanden wir Rätselhaftes, Okkultes und Mysteriöses – vieles davon haben wir bis heute auch unter Zuhilfenahme von Experten nicht entschlüsseln oder zuordnen können. Aber es sind eben diese Dinge und Mortens einzigartige Geschichte und Geschichten, die unsere Live-Escape-Rooms ausmachen und durchwirken.

Was hier in unregelmäßigen Abständen erscheinen soll ist der Versuch, das Erbe dieses Individualisten und seine eigene Person (be-)greifbar zu machen und sein Lebenswerk zu huldigen!

Der Schwarze Druide

12.03.2020|

Wie geisterhafte Hände griffen beißende dichte Rauchschwaden gierig gen Himmel. Wild lodernde Flammen tanzten dämonenhaft umher. Zwischen rußgeschwärzten Büschen und angesengten Bäumen lagen blutüberströmte zerschlagene Körper. Die römischen Legionäre des Generals Gaius Suetonius Paulinus standen am Rande des Schlachtfeldes und beobachteten mit Stolz den Niedergang des Heiligtums. Die Druiden auf Anglesey waren vernichtend geschlagen.

Morten Delapore, der geistige Vater des Motels Escape, wuchs auf der ehemaligen Druideninsel Anglesey an der walisischen Nordwestküste auf, die in jenen Tagen noch den Namen “Inis Mona” trug. Er beschäftigte sich viel mit den alten keltischen Priestern, studierte ihre Riten und Bräuche. Er besuchte zahlreiche alte Kultplätze und heilige Orte, fertigte zahlreiche Skizzen, Aufschriebe und Auswertungen an.

Wie wir durch die Sichtung seines Nachlasses erfahren haben, waren seine Eltern vermutlich Teil einer uralten Geheimgesellschaft. Immer wieder standen die aus Frankreich eingewanderten De La Poers, wie sie damals noch hießen, in Zusammenhang mit dem obskuren Verschwinden von Menschen in der Region. Es wurde von unheiligen Ritualen gesprochen, von Tier- und Menschenopfern.

Eine zentrale Figur dieser bösen Machenschaften war der Schwarze Druide. Er zog im Verborgenen die Stricke, lenkte und delegierte, unterwarf und vernichtete. Wir konnten auch nach Jahren nicht sicherstellen, ob die von Morten Delapore angefertigte Zeichnung des geheimnisvollen Mannes letzten Endes ein Produkt seiner Fantasie oder ein tatsächliches Abbild dessen ist. Und der Verdacht liegt nahe, dass es sich bei dem Schwarzen Druiden um Mortens eigenen Vater gehandelt haben könnte.

Der Wendigo von Sudbury

27.02.2020|

In den düsteren Wäldern Nordamerikas haust seit Urzeiten, lange bevor der Weiße Mann gewaltsam über das Land herfiel, ein grausiges Monster. Die Anishinabe-Indianer flüsterten den Namen des Menschenfressers nur hinter vorgehaltener Hand, aus Furcht, er könne Wahnsinn, Tod und Verderben über ihr Volk bringen. Bis heute ist der Wendigo ein weithin bekanntes Scheusal, das in Filmen, Romanen, Spielen und in der Musik immer wieder auftaucht. Auch Morten Delapore beschäftigte sich mit dem “indigenen Ungeheuer”, denn einige Zeugen des Sudbury Massakers vermuteten hinter dem schrecklichen Vorfall das Erscheinen des Wendigos.

Der 07. Juli 1939 war eine laue Sommernacht. Farmer Todd Kershaw saß mit seiner Familie im Freien und genoss den klaren Sternenhimmel über dem kanadischen Städtchen Sudbury. Nur wenige Minuten danach waren er und seine fünfköpfige Familie tot – wie 50 weitere Anwohner der südlichen Außenbezirke auf bestialische Weise ermordet. Die oder der Täter wurden bis heute nicht gefasst. Eine Vielzahl ominöser Ereignisse überschattete die Ermittlungen und so bleibt das Massaker ein schwarzer Fleck in der kanadischen Geschichte.

Schenkt man dem Augenzeugen Sebastian Gauthier Glauben, der allerdings nur wenige Wochen nach dem Vorfall in eine Nervenheilanstalt eingewiesen wurde, handelte es sich bei dem Mörder um einen Wendigo. Das anthropomorphe Untier haust angeblich in den dunklen Wäldern oder auf Friedhöfen. Bei Einbruch der Nacht stürzt es sich auf seine menschliche Beute und verschlingt diese. Mittels finsterer Magie kann es Menschen auch in den Wahnsinn treiben und zu Kannibalen machen, die ihm fortan zu Diensten sind.

Um vor den heimtückischen Angriffen des bösen Geistes geschützt zu sein, gingen beispielsweise die Cree-Indianer nur in kleinen Gruppen auf die Jagd. Die Cree führten auch etliche Regeln und Tabus ein, um sich gegen die Übergriffe des Wendigos zu schützen. So mussten Besessene umgehend von der Gemeinschaft getötet werden. Tatsächlich nutzte die Medizin den Begriff “Wendigo Psychose”, um Angst vor Kannibalen oder auch das Verlangen nach Menschenfleisch zu beschreiben.

Leider gelang es Morten Delapore nicht, Zusammenhänge des Sudbury Massakers mit den Vorfällen im Burwash Correctional Center zu beweisen. Seine Faszination an den indianischen Mythen wurde aber in diesen Tagen geweckt …

Das Geheimnis der Templer

13.02.2020|

Im Morgengrauen des 13. Oktobers 1307 begann der Niedergang der geheimnisumwitterten Tempelritter. In einer groß angelegten Aktion sollten alle Mitglieder des heiligen Ordens verhaftet werden. Die persönlichen Machtinteressen des französischen Königs Philipp IV. und Papst Clemens V. führten zu einem absurden Prozess, der sich jahrelang hinzog. Morten Delapore hatte sich ausgiebig mit dem Schicksal der christlichen Streiter beschäftigt – und wir können nicht ausschließen, dass er dabei auf ein erschreckendes Geheimnis stieß …

Der Orden der Tempelritter wurde 1120 in Jerusalem gegründet und war damit der erste geistliche Ritterorden, der die Kreuzfahrer im Heiligen Land und die befreite Heilige Stadt beschützen sollte. Sie waren die “gesegnete Exekutive” der neu erstarkten Kirche, die innenpolitische Schwierigkeiten des Abendlandes in einem Krieg gegen die Ungläubigen kanalisierte. Um die Macht der Christenheit im Morgenland zu sichern, wurde der Orden mit einer Reihe von Sonderrechten und sogar einer Steuerbefreiung ausgestattet. Durch umfangreiche Schenkungen konnten sich die Templer schnell ein dichtes Netzwerk an Stützpunkten aufbauen und von diesen aus massive Geldmittel erwirtschaften.

Um die “Armen Kampfgefährten Christi und des salomonischen Tempels”, so der offizielle Name, im Zaum zu halten, mussten die Ritter selbst Gelübde des Gehorsams, der Keuschheit und der Armut ablegen. Ihr Alltag wurde durch eine Reihe strenger Regeln geordnet, die Gottesdienste und Stundengebete umfasste. Dennoch gerieten die Templer immer wieder mit anderen Ritterorden in Konflikt und galten nicht selten als überheblich. Schon früh tauchten Gerüchte über seltsame Aufnahmerituale und Gebetspraktiken auf – die schließlich bei den Prozessen als Beweise für das ketzerische Treiben des Ordens vorgebracht wurden. Der gewaltige Schatz der Tempelritter konnte aber niemals gefunden werden. Angeblich wurde dieser direkt nach der Verhaftung der meisten Templer versteckt und sorgt noch heute für eine Vielzahl mehr oder weniger glaubhafter Spekulationen.

Morten Delapore richtete sein Augenmerk jedoch auf die Zeit nach der offiziellen Auflösung des Ordens am 23. März 1312 durch Papst Clemens V. Warum wurden alleine im Mai 1310 in Paris 54 Templer grausam bei lebendigem Leibe verbrannt? Warum widersprach sich Großmeister Jaques de Molay immer wieder selbst und widerrief seine eigenen Aussagen? Und was hatte es mit der Anbetung dunkler Gottheiten auf sich? Tatsächlich aber fand der erfolgreiche Gründer der Motel-Escape-Kette Spuren, die auf ein Fortbestehen des Ordens im Untergrund hinweisen, auf eine verschwörerische Gemeinschaft, die im Geheimen die Fäden dieser Welt in Händen hält.

Mehr erfahrt Ihr im Georgia Convent.

Die Macht der Worte

30.01.2020|

Worte haben eine unbändige Kraft. Aus ihnen können Mut und Hoffnung erwachsen, aber auch Hass und Zorn. Ihnen ist die Macht gegeben Heilung zu bringen, aber auch Zerstörung. Und diese Wirkung von Sprache allgemein machte sich Morten Delapore schon in jungen Jahren zu eigen.

Viele Gäste seiner Autohotels fürchteten ihren seltsamen und ominösen Gastgeber. Häufig wurde berichtet, eine geheimnisvolle Aura umgebe ihn. Und doch hingen die Menschen an seinen Lippen, wenn er eine seiner seltenen aber berüchtigten Reden hielt. Oder wenn in einer der Motel-Escape-Niederlassungen eines seiner Gedichte oder Stücke vorgetragen oder aufgeführt wurde. Eine schwere, dunkle Sprache, voller symbolischer Tiefe soll ihn ausgezeichnet haben – und leider sind nur wenige Zeugnisse seiner Kunst erhalten geblieben.

Sein Nachlass, dessen Sichtung bis heute noch lange nicht abgeschlossen ist, gibt leider wenig Aufschluss darüber. Und doch finden wir immer wieder Spuren in den Unterlagen, wie diese namenlosen Verse:

Dräuend Dunkel schlich beklemmend
über morsche Knochendielen,
und mit hämisch breitem Grinsen
Schatten auf mein Haupte fielen.

Nagten scharfe Zähne schabend
mir den Nacken blutig wund,
kroch ein Hauch von Wahn beständig,
tat von drohend Unheil kund.

Schwarzes Gold und schwarze Zeiten

16.01.2020|

Als im Jahr 1927 der El Dorado Lake als Wasserreservoir für das Kleinstädtchen El Dorado angelegt wurde, hätte niemand geahnt, welche Tragödien sich hier im südlichen Kansas abspielen würden. Damals lebten etwa 10.500 Einwohner in dem kleinen Ort am Walnut River, der vor allem wegen seines Ölfeldes so bedeutend war. Erst 1915 war hier durch das noch junge wissenschaftliche geologische Kartierungsverfahren ein gewaltiges Vorkommen des schwarzen Goldes entdeckt worden. 1918 wurden hier bereits 12,8% des nationalen und 9% des weltweiten Ölbedarfs gefördert – manche gingen sogar so weit und nannten es “das Ölfeld, das den Ersten Weltkrieg gewann”.

Doch dieser lokale Aufwind der späten 1910er wurde nur wenige Jahre später durch wiederkehrende schreckliche Nachrichten getrübt. Die Region rund um El Dorado wurde immer wieder Ort schrecklicher Verbrechen. So wurde auch der Bau des ersten El Dorado Stausees durch einen grausamen Mord überschattet.

Am Freitagabend des 06. August 1926 wurden Arbeiter des Baugeländes auf ein stark rauchendes Feuer in der Nähe des Walnut Rivers aufmerksam. Kaum 200 Meter vom eingezäunten Konstruktionsplatz entfernt, entdeckten sie eine große Feuerstelle. Der Schrecken war groß als die beiden Angestellten von Traver Construction in den lodernden Flammen einen sich noch bewegenden Menschen ausmachten. Aufgrund der großen Mengen Benzins, die dem Feuer beigegeben wurden, konnten die geschockten Augenzeugen jedoch wenig unternehmen und riefen die Feuerwehr, Polizei und den Notarzt. Obwohl die Rettungskräfte schnell vor Ort waren, kam jede Hilfe für das Opfer zu spät. Es war bereits seinen Verbrennungen erlegen.

Es handelte sich um den seit wenigen Tagen vermisste Schachprofi Roy Brockman aus der Gegend. Ein Zusammenhang zu anderen Mordopfern aus El Dorado konnte zunächst nicht hergestellt werden. Doch als klar wurde, dass in jedem August eines Jahres brutale Morde geschehen sollten, war eine Serientat nicht mehr auszuschließen. Im Sommer 1932 gipfelte der Massenmord in einem dubiosen und menschenverachtenden Amoklauf in der beliebten Motel-Escape-Autohotelkette

Dämonische Puppen

06.11.2019|

Vor wenigen Tagen haben wir Euch über den seltsamen Todesfall der siebenjährigen Doreen M. berichtet. Die amerikanischen Dämonologen Ed und Lorraine Warren hatten sich intensiv mit der Tragödie beschäftigt. Sie waren es auch, die immer wieder mit unheimlichen Gegenständen zu tun hatten, nicht selten auch mit Puppen.

Nicht umsonst wurde das Wirken der Warrens mehrfach in “The Conjuring – Die Heimsuchung“, “Amityville Horror” oder “Das Haus der Dämonen” verfilmt. In den letzten Jahren erlangten ihre parapsychologischen Ermittlungen um die angeblich von Dämonen besessene Puppe “Annabelle” posthume Berühmtheit. Der Fall “Annabelle” wurde bereits drei mal auf die großen Kinoleinwände gebracht und reiht sich nahtlos in die Menge der Puppenhorrorstreifen wie “Chucky“,  “Puppet Master” oder “Joey” ein.

Die Puppe “Annabelle” wurde ursprünglich der Schwesternschülerin Deirdre Bernard im Jahre 1970 zu ihrem 28. Geburtstag geschenkt worden. Sie und ihre Zimmergenossin waren der festen Überzeugung, mit der Puppe stimme etwas nicht. So schalteten sie ein Medium ein, das behauptete, in der Puppe wohne der Geist eines Mädchens namens Annabelle Higgins.

Aber unheimliche Begebenheiten rund um Puppen sind kein neues Phänomen. Schon zu Zeiten Morten Delapores gab es in Key West einen aufsehenerregenden Vorfall mit einer bösartigen Puppe. Der vierjährige Eugene Otto bekam die Puppe Robert von einer karibischen Hausdienerin geschenkt. Bald darauf berichteten zahlreiche Augenzeugen, der Junge verhalte sich seltsam, husche ungewöhnlich schnell durch Räume oder führe lange Gespräche mit Robert, der tatsächlich auch geantwortet haben soll. Später flogen Möbel umher, der Knirps fühlte sich von Robert verfolgt und immer wieder gingen Sachen im Hause der Ottos zu Bruch. “Robert did it”, war stets die Antwort Eugenes. Und diese Aussage ist noch heute in der Region eine feste Redewendung für Unschuldsbeteuerungen.

Warum sich Morten Delapore Zeit seines Lebens immer wieder mit Puppen beschäftigte, konnten wir nie vollends klären. Sicher ist aber, dass ihn die zahlreichen Mythen um die Seelen von menschenähnlichen Puppen, ihre Symbolwirkung und die enge Verbindung zwischen Kind und Spielzeug faszinierte. Und in unserer Hütte am El Dorado Lake werdet Ihr das selbst herausfinden können …

Der mysteriöse Tod der Doreen M.

25.10.2019|

Als wir am 9. August 2017 völlig ahnungslos den gewaltigen Schiffscontainer mit Morten Delapores Nachlass entgegennahmen, hätten wir uns in unseren kühnsten Träumen nicht ausmalen können, was wir darin alles finden sollten.

So entdeckten wir unter all den ominösen Objekten ein abgegriffenes und sichtlich altes Schaukelpferd, das wir keinem der dreizehn Motels zuordnen konnten. Tatsächlich stellte sich heraus, dass dieses Kinderspielzeug aus einem mysteriösen Fall von Dämonenbesessenheit aus den 1920ern stammt. Die siebenjährige Doreen M. aus Huntsville kam dabei durch eben jenes Schaukelpferd auf sehr groteske Weise zu Tode. Obwohl zahlreiche Nachbarn die Unschuld der Mutter bezeugen konnten, wurde diese für Jahre hinter Schloss und Riegel gebracht. Ihr Ehemann versuchte monatelang mit Hilfe von Privatermittlern den mysteriösen “Unfall” aufzuklären, was jedoch nicht gelang. Auch die beiden Dämonologen Ed und Lorraine Warren nahmen sich in den 1960ern dem Fall an, konnten aber ebenfalls kein Licht in die Ereignisse bringen.

Wie Morten Delapore zu dem Holzpferd kam und aus welchem Grund er sich mit der Sache beschäftigte, bleibt aber leider genauso im Dunkel wie das tragische Ableben der kleinen Doreen.

Okkulte Rituale

18.10.2019|

Das Leben und Wirken Morten DelaporesMorten Delapore bleibt auch nach eingehenden Recherchen und langwierigen Studien weitestgehend im Dunkeln. Er war gleichermaßen kalkulierender Geschäftsmann wie freiheitsliebender Künstler, kühler Naturwissenschaftler aber auch Fantast und Visionär.

So soll der ominöse Okkultist Aleister Crowley dreimal während seiner Pariser Jahre – also zwischen 1924 und 1929 bei Morten Delapore zu Gast gewesen sein. Ein Gästebucheintrag im Khimintu Mansion vom Sonntag, den 26. Juni 1927 zeugt bis heute von einem dieser Aufeinandertreffen. Hier betont der britische Bergsteiger, Schriftsteller und Gründer zahlreicher Geheimgesellschaften, dass ihn die “Gespräche” mit Morten Delapore “beflügelt und inspiriert” hätten. Er sieht in dem zurückgezogen lebenden Motelkettenbesitzer einen “Weltenlehrer” und Eingeweihten und kündigt zum Jahreswechsel einen weiteren Besuch in Old Creak am Grand Lake an.

Von dort gibt es zwar keine offiziellen Aufzeichnungen, doch eine ehemalige Angestellte des Etablissements, deren Namen wir hier leider nicht nennen dürfen, schrieb in ihrem Tagebuch ausgiebig von den gemeinsamen Spaziergängen und Diskussionen der beiden Persönlichkeiten.

Crowley wurde schon in Jugendjahren von seiner Mutter als der “Antichrist” und das Biest, jenes große Tier aus der Johannesapokalypse, dessen Zahl 666 ist, bezeichnet. Sie steckte ihn in ein Internat, da er mit aufkeimender Pubertät gegen die strenge Religiosität der Familie aufbegehrte. Er fühlte sich in seiner Rolle als hinterfragender Querdenker dermaßen wohl, dass er sich bald darauf mit Magie, Satanismus und mit anderen okkulten Lehren zu beschäftigen begann. Er wurde im November Mitglied des Hermetic Order Of The Golden Dawn und begann sich mit magischen Ritualen zu beschäftigen, parallel dazu auch mit bewusstseinserweiternden Substanzen wie mit Opium, Kokain, Morphin, Ether oder Chloroform. Wegen seiner homosexuellen Neigungen wurde er aber bald aus der Gesellschaft ausgeschlossen. Dies bestärkte ihn jedoch nur weiter in seinem Streben und 1904 verfasste er unter ominösen Umständen das “Liber Legis“, das Buch des Gesetzes, das ihm fortan al Fundament seiner zahlreichen Betätigungen diente. Darin verkündet er den Anbeginn eines neuen Äons, in dem der Mensch sich der göttlichen Mächte in Gestalt der neuen Trinität der Götter Nuit, Hadit und Ra-Hoor-Khuit versichern und mit ihnen verschmelzen könne, wodurch er selber Göttlichkeit erlange.

Crowleys Beschäftigung mit Sexualmagie brachte ihn außerdem in Kontakt mit dem Ordo Templi Orientis, den er sogar zwischenzeitlich leitete. Er erschuf eine neureligiöse Bewegung namens Thelema und legte 1935 sein eigenes Thoth-Tarot vor. Sein Einfluss auf etliche Geheimbünde und Orden ist nicht zu unterschätzen, auch der Wicca-Kult trägt zahlreiche Ideen Crowleys in sich. Auch aufgrund seiner sexuell aufgeladenen Schriften erlangte Crowley in den 1970er Jahren eine große postume Popularität. Am 1. Dezember 1947 verstarb er in Hastings in der Pension Netherwoods mit 72 Jahren unter den Worten “I’m perplexed”, zu Deutsch “ich bin verwirrt”.

Es ist uns nicht gelungen zu ergründen, welchen Einfluss Aleister Crowley auf das Wirken Morten Delapores hatte, aber die beiden Individualisten und Visionäre schienen noch bis zu Mortens mysteriösem Verschwinden in regem Briefkontakt gestanden zu haben.

Im Zeichen der Entschlüsselung

11.10.2019|

Unser Motel-Escape-Logo geht auf die ursprünglichen Entwürfe Morten Delapores selbst zurück. Es ist ein bildhafter Ausdruck seiner Lebenseinstellung und Sicht auf die Welt, symbolisiert seinen unbändigen Willen, das Dasein zu entschlüsseln, die Geschichte zu enträtseln und hinter den Schleier der Oberflächlichkeit zu blicken.

Der Kreis umschließt das gesamte Konstrukt und steht für die Unendlichkeit, denn Anfang und Ende sind unbestimmbar. Gleichsam steht der gleichmäßige Verlauf, ohne jede Abweichung, für Makellosigkeit und damit auch für das Göttliche.

Das zentrale Auge (der Vorsehung) steht für die Erkenntnis durch eine scharfe Wahrnehmung und Beobachtungsgabe. Nur wer aufmerksam ist und seine Umwelt mit einem wachsamen Auge beobachtet, kann die Wirklichkeit erfahren, kann im wahrsten Sinne des Wortes Einsicht erlangen.

Die vier nordischen Futhark-Runen symbolisieren das Licht, um dem Auge Klarheit zu verleihen, das Individuum als Gefäß der Erleuchtung,  das Verborgene, das es zu durchschauen gilt und den Schutz, den Morten seinen Jüngern angedeihen ließ.

Mehr zu unserem Logo findest du hier.

Der Burwash-Geist

04.10.2019|

In der Nacht des 07. Juli 1939 lief nichts nach Plan im Burwash Correctional Centre. Kaum hatte sich die Dunkelheit über das Gefängnis im dicht bewaldeten Sudbury District von Ontario gelegt, schrillten die Alarmglocken – und in dem daraus resultierenden Chaos gelang dem verurteilten Einbrecher Edgar Tucker aus Winnipeg eine mysteriöse Flucht.

Was genau in der Burwash Farm, wie die Menschen der Region die Einrichtung nannten, an jenem Abend geschah, bleibt wohl für immer ein Rätsel. In der geheimen militärischen Forschungseinrichtung, die Teil des Gefängnisses mit seiner vielfach gelobten Wiedereingliederungsstrategie war, wurde aus bis heute unklaren Gründen Großalarm ausgelöst. Sirenen heulten, Wachmänner rannten aufgeregt durch die Gänge und Schüsse hallten durch die Nacht.

Es herrschte Aufregung in den einzelnen Gefängnisblöcken und dem weitläufigen Areal, genug Aufregung, dass der Gefangene Edgar Tucker aus seiner Zelle in Block C entkommen konnte. Aber weniger spektakulär als die Flucht des Insassen selbst ist das “wie”. Die Zellentür blieb nachweislich während der fraglichen Stunden geschlossen und einen anderen Fluchtweg gab es nicht. Edgar Tucker verschwand wie ein Geist, ohne irgendeine Spur zu hinterlassen.

In den vergangenen Jahren mehren sich die Theorien, dass Edgar Tucker gar nicht aus seiner Zelle entkam, sondern Opfer der Versuche auf dem Gelände wurde und heute als rachsüchtiger Geist durch die modrigen Gänge der Einrichtung spukt. So oder so bleibt sein Verschwinden ominös, denn von seinem Verbleib gibt es bis heute keinerlei Spuren.

Das Herz des Bösen

27.09.2019|

Blut floss schon immer in Wichita, Kansas – zumindest seit dem Tag, als der Weiße Mann die Indianer aus ihrer eigenen Siedlung jagte. 1870 wurde aus den Überresten eine Eisenbahnstation zu der überwiegend Vieh aus Texas geliefert wurde. Als 1914 Erdöl vor Ort entdeckt wurde, schwang sich das beschauliche Nest schnell zu einer Stadt auf, die heute über 350.000 Einwohner zählt und mit der Wichita State University sogar eine eigene Hochschule aufweisen kann.

Doch bei allem Wachstum und wirtschaftlichem Erfolg – schließlich ist die Fleischindustrie noch heute ein wichtiger Zweig der Stadt und überdies hatte der Flugzeugriese Boeing hier über Jahrzehnte ein Zweitwerk – steckte in Wichita von Anfang an der Wurm.

Es begann in der Prohibitionsära mit Edward J. “Eddie” Adams (1887-1921), der im mittleren Westen für Angst und Schrecken sorgte. In nur 14 Monaten tötete der Kriminelle und Serienmörder mindestens sieben Menschen, darunter drei Polizisten, und verwundete mehr als ein weiteres Dutzend. Bei seinen Raubzügen erbeutete er um die 50.000 Dollar und fiel immer wieder durch brutale Gewaltausbrüche auf. Am 22. November 1921 wurde Adams bei einem dramatischen Schusswechsel in Wichita von dem Polizisten D.C. Stuckey mit drei Kugeln niedergeschossen und getötet.

Wenig bekannt ist, dass “Eddie” eine Ehefrau hatte, die er jedoch mit einer Reihe leichter Damen betrog. Als Helen Adams sich von ihm scheiden ließ, soll sie schwanger gewesen sein. Sie musste jedoch kurz darauf untertauchen, da der rachsüchtige Gatte ihr Gewalt androhte. Dennoch gab es etliche Gerüchte, dass sie wenige Monate später einen Sohn zur Welt brachte … Sie selbst wurde im August 1923 Opfer eines schrecklichen Gewaltverbrechens. Sie wurde in ihrem eigenen Wohnwagen regelrecht hingerichtet. Ihre Leiche wurde jedoch nie gefunden – und auch ein Motiv konnte die Polizei nie ermitteln. Doch ihr Tod ist der Auftakt zu einer Reihe blutiger Gewaltverbrechen, die sich jedes Jahr im Sommer rund um Wichita in der Nähe des El Dorado Lakes wiederholten. Nicht umsonst wurde Wichita bald darauf als das “Herz des Bösen” in Kansas berühmt-berüchtigt.

Bind Torture Kill

20.09.2019|

Die Geschichte Wichitas, die größte Stadt im amerikanischen Bundesstaat Kansas, ist besudelt von Blut und Gewalt. Sie begann im 19. Jahrhundert mit der Vertreibung des gleichnamigen Indianervolkes aus der Region und fand Fortsetzung in einigen grauenvollen Serienmorden.

Abscheulicher Höhepunkt dieser Gräueltaten  waren bisher die Siebzigerjahre des 21. Jahrhunderts. Der Bind-Torture-Kill-Mörder, kurz BTK-Mörder, schlug zwischen 1974 und 1977 mindestens siebenmal zu – auf grauenvollste Art und Weise. Gefasst wurde er in dem Zeitraum nicht. 1985 fing er erneut an zu töten. In den folgenden sechs Jahren mussten mindestens drei weitere Menschen ihr Leben lassen. Erst 2004, nach mehr als zehn Jahren Frieden in der Region, meldete sich der Serientäter mit einem Brief beim lokalen Nachrichtenblatt “Wichita Eagle” zurück. Nach einigen weiteren Meldungen bei unterschiedlichen Institutionen konnte er 2005 über eine Diskette als Dennis Lynn Rader (geboren am 9. März 1945 in Pittsburgh, Kansas) identifiziert und im Norden Wichitas verhaftet werden. Unter seinen Opfern waren hauptsächlich Frauen, aber auch einige Männer und tragischerweise Kinder.

Der Rufname des Schlächters, “Bind-Torture-Killer”, zu Deutsch “fesseln, foltern und ermorden”, erhielt Dennis Rader aufgrund seines unmenschlichen Vorgehens. Die widerlichen Taten wurden in zahlreichen Filmen wie beispielsweise im Psychothriller “Jagd auf den BTK-Killer” (2005) thematisiert. Auch die Musikwelt widmete sich den schrecklichen Massenmorden auf unterschiedliche Weise – so das belgische Electro-Projekt Suicide Commando oder auch die amerikanischen Todesmetaller Suffocation mit den gleichnamigen Songs “Bind, Torture, Kill”.

Aber Wichita kommt niemals zur Ruhe. Nach der lebenslangen Verwahrung des BTK-Mörders in der El Dorado Correctional Facility in Kansas scheint es einen neuen Serientäter zu geben. Zum wiederholten Male verschwanden Tramper zwischen Kansas City und Wichita. Erste Ermittlungen ergaben, dass sich deren Spuren meist in der Region um den El Dorado Lake verlaufen. Es bleibt blutig in Wichita – eine Stadt, die Mord und Totschlag anzuziehen scheint.

Das Skelett vom El Dorado Lake

13.09.2019|

Im Nachlass Morten Delapores fanden wir eine Reihe beängstigender Zeitungsartikel und Berichte. Einer von ihnen datiert auf Sonntag, den 07. August 1927 und entstammt einer ganzen Reihe von blutrünstigen wie ominösen Morden in der Nähe des El Dorado Lakes unweit des Städtchens Wichita.

Mehr als nur Mord

Laverne McCutchen war ein attraktives junges Mädchen, beliebt bei Lehrern, Schülern und Nachbarn. Mit ihren 17 Jahren gehörte sie schon zu den ersten weiblichen Cheerleadern der Region. Doch jemand wollte ihren Tod.

Bereits am gestrigen Abend fanden Spaziergänger im Süden des El Dorado Lakes einen schauerlichen Tatort vor. Auf der Wiese lag ein fast vollkommen von Fleisch und Gewebe befreites menschliches Skelett. ‘Das Gras war rot vom Blut. Überall war Blut’, erinnert sich das junge Paar, das den Ort des Verbrechens fand. ‘Wir waren abseits der Wege unterwegs, um etwas für uns zu sein. Mir wird immer noch ganz anders bei dem Gedanken, dass der Mörder uns beobachtet haben könnte’, verrät Earl Flatt, der nach dem Fund noch immer unter Schock steht.

Die hinzugezogene Polizei geht davon aus, dass das Pärchen den oder die Straftäter auf frischer Tat ertappte. ‘Wir fanden im Unterholz eine schrecklich zugerichtete Leiche und eine Menge Tatwerkzeuge, die zum Sägen und Schneiden benutzt wurden’, kommentiert Inspektor Zibart die Ermittlungen. Offensichtlich hatte der Täter vor, die Leichenteile zu verbrennen, denn die Beamten fanden in der Nähe Benzinkanister und einen Haufen Brennholz. Auch die Kleidung des Opfers wurde in der Nähe des Blutplatzes gefunden, weshalb das Gerippe als Laverne McCutchen identifiziert werden konnte. Von dem oder den Mördern fehlt jedoch noch jede Spur.”

 

Blutbad in Sudbury

06.09.2019|

In der Nacht des 07. Juni 1939 war an schlafen nicht mehr zu denken. Für Stunden hallten die Sirenen von Polizei, Sanitätern und Feuerwehr durch die Straßen des kanadischen Städtchens Sudbury. Das rötliche und bläuliche Flackern unzähliger Rettungsfahrzeuge tauchte den sommerlichen Wald der Umgebung in einen gespenstischen Schimmer. Das Kreischen und Klagen dutzender verletzter und panischer Menschen tat sein übriges, diesen Alptraum für immer in das Gedächtnis der Region zu brennen.

Chief Superintendent Owen Buttle und seine Männer von der Ontario Provincial Police waren angesichts des Chaos’ und der grauenhaften Morde sichtlich überfordert. Erst als schwere Militärfahrzeuge mit einer kanadischen Sondereinheit anrollten, konnte die Situation unter Kontrolle gebracht werden.

Bis heute ist nicht geklärt, was sich in jener Nacht zutrug. Die Armee war bei Sonnenaufgang so klammheimlich verschwunden, wie sie überraschend aufgetaucht war. Zeugen wurden vermisst und Verletzte waren am nächsten Morgen aus ihren Krankenhausbetten verschwunden. Die wenigen Personen, die das Massaker in den südlichen Außenbezirken der Stadt persönlich miterlebt hatten, machten an den folgenden Tagen unterschiedliche und oft unglaubwürdige Angaben. Von grotesken Waldgeistern war die Rede, von infernalen Dämonen oder auch von fauligen Untoten … Von offizieller Seite aus werden bis dato wilde Tiere für die 39 Toten und 18 Schwerverletzten verantwortlich gemacht.

Eine Meinung, die Morten “Escape” Delapore nicht teilte. Denn er war selbst nach den Vorfällen vor Ort und seiner Meinung nach führen die Spuren nach Süden zum Burwash Correctional Center

Die Seele von Motel Escape

30.08.2019|

Als im September 1917 das erste Motel Escape südlich des Grand Lake in Louisiana eröffnet wurde, war der Grundstein für ein einzigartiges Autohotelkonzept gelegt worden. Die Besonderheiten des Etablissements waren nicht einfach nur die faszinierende Bauweise und die für die Region außergewöhnliche Architektur, sondern in erster Linie dessen kulturelle Ausrichtung. Die einzelnen Flügel des Gebäudes waren unterschiedlichen Themengebieten und Epochen zugeordnet. So konnten Besucher beispielsweise in der “Suite d’Inquisition” oder im “Chambre de Notre Dame” nächtigen (in jenen Tagen war Französisch als Zweitsprache in der Region recht weit verbreitet) und dabei eine Reihe von Kunstwerken betrachten, Erzählungen und Gedichte lesen oder sogar düsteren Aufführungen beiwohnen. Denn Morten Delapore war ein expressiver Künstler, der nicht nur zahlreiche Gemälde im Anwesen selbst gezeichnet, sondern auch eine Vielzahl von verstörenden Kurzgeschichten und Versen verfasst hatte, die von Komparsen als besondere Attraktion vorgetragen oder gesungen wurden – oftmals zu fremdartigen Melodien. Auch die Statuen und Büsten, Feuerspeier und Basreliefs, die das Motel zierten, wurden nicht selten vom eingewanderten Gastgeber mit den eigenen Händen geschaffen.

Morten Delapore selbst bekamen die Gäste jedoch nur dann und wann zu Gesicht. Er schien vor allem Nachtspaziergänge zu lieben und wanderte oft stundenlang durch die unheimlichen Sümpfe des Umlandes. Tagsüber wiederum soll er sich häufig in seinem Atelier im Keller des Anwesens aufgehalten haben. Menschen, die ihm begegnet waren, beschrieben ihn jedoch stets als freundlich und gebildet, wenngleich zurückhaltend. Aber dennoch haftete seinen markanten Zügen auch eine gewisse Mystik an, die gleichwohl als faszinierend wahrgenommen wurde.

Die Neue Welt

23.08.2019|

Im Jahre 1915 tauchte ein hagerer, kahlköpfiger Mann mit fremdländischem Akzent in dem kleinen, verschlafenen Nest Grand Chenier, Louisiana, USA auf und kaufte für eine horrende Summe ein Stück Land im Osten südlich des Grand Lake.  Der aus Wales stammende Einwanderer Morten Delapore ließ eine dort am Rande des 143 Meilen langen Highways 82 stehende Kirchenruine namens Old Creak von seinen aus der Heimat mitgebrachten Männern zu einem ungewöhnlichen Motel aus- und umbauen.

Beinahe zwei Jahre arbeiteten die Fremden dort – vor den neugierigen Blicken der Einheimischen durch hohe Holzzäune verborgen –, um am 11. September 1917 endlich das Motel Escape zu eröffnen. Der gewaltige Gebäudekomplex aus dunklem Stein lockte mit seinem fast schon sakralen Charme in kürzester Zeit etliche Neugierige, Touristen und Durchreisende an und wurde bis nach New Orleans hin zum Gesprächsthema.

Nach Ende des Ersten Weltkrieges zog es sogar Menschen aus der Alten Welt, vor allem aus Frankreich und England, in das sagenumwobene Motel. Und dies war der Auftakt zu einer der erfolgreichsten und einzigartigsten Autohotel-Ketten der Welt. Bis 1949 hatte der exzentrische Waliser dreizehn Motel Escapes in den USA und Kanada eröffnet.

Jedes Motel hatte seine eigenen Geschichten, eine individuelle Ästhetik und oft unterschiedliche Angebote – jedes einzelne war aber auf eine ungewöhnliche Weise einzigartig. So waren auch die Mythen, die sich um die Etablissements rankten. Dieser Hauch des Extravaganten lockte auch namhafte Größen wie den britischen Okkultisten und Schriftsteller Aleister Crowley an.

Die Tage auf Anglesey

16.08.2019|

Die De La Poers waren als vermeintliche Fremde in dem kleinen Küstendörfchen Moelfre alles andere als beliebt. Das mag einerseits an der verschlossenen Art  der walisischen Inselbewohner gelegen haben, aber andererseits waren die Neuankömmlinge nicht sonderlich gesellig.

Penrhos Feilw

Die beiden etwa 3 Meter hohen Menhire von Penrhos Feilw (©J. E. Walkowitz)

So wurden die De La Poers häufig bei geheimnisvollen Unternehmungen in der Nähe alter Gräber und Megalithanlagen der Gegend gesehen. Sie trugen dabei seltsame Roben mit okkulten Symbolen und sangen unheilige Lieder verblichener Zivilisationen. Häufig hielt sich die Familie nachts auch in der Nähe der Ruinen von Beaumaris Castle auf und durchstreifte die alten Gemäuer. Die Menschen der Region vermuteten bald, dass die Neulinge etwas mit der 1452 in jener Feste hingerichteten Hexe Eleanor Cobham zu tun hatten und mit finsteren und bösen Ritualen ihre Seele wieder heraufbeschwören wollten. Andere tuschelten hinter vorgehaltener Hand von Tieropfern oder unzüchtigen Orgien. Oft flüsterte man auch von Satan oder noch älteren Gottheiten des Verderbens.

Beaumaris Castle

Beaumaris Castle aus der Luft (©Cadw)

Aber den Delapores, wie sie der Einfachheit halber von den Einheimischen genannt wurden, konnte nie etwas nachgewiesen werden. Als jedoch 1913 in Moelfre einige Einwohner auf mysteriöse Weise verschwanden, spitzte sich die Lage mehr und mehr zu. Im Frühjahr 1915 eskalierte die Situation gänzlich. Kurz zuvor wurden einige Säuglinge und Kleinkinder wie vom Erdboden verschluckt, woraufhin ein Mob wütender Waliser mit Fackeln, Knüppeln und Fischerhaken gen Herrenhaus der Delapores zog. Der greise Prachtbau wurde in Brand gesteckt und die ganze Familie erschlagen – bis auf den 19-jährigen Morten und einige Bedienstete. Seine Flucht sollte ihn – trotz des um sich greifenden Weltkrieges – direkt in die USA bringen, genauer gesagt nach Grand Chenier, Louisiana.

Morten Delapores Wurzeln

09.08.2019|

Der Strand von Moelfre

Der Strand von Moelfre (©Rod Hullandemu)

Als wir am 11. September 2017 den geheimnisvollen Schiffscontainer aus dem Delapore-Nachlass zugestellt bekamen, ahnten wir nicht im Geringsten, welche Geheimnisse, Abenteuer und Rätsel uns darin erwarten und mit welch teils auch erschreckenden Mysterien wir konfrontiert werden würden. Unser Vorhaben, spannende und atmosphärische Live Escape Rooms zu erschaffen, wurde von diesem Tag an durch all jene Bücher, Artefakte, Aufzeichnungen, Bilder und Spielzeuge, die sich in diesem altehrwürdigen wie geheimnisvollen Container befanden, maßgeblich beeinflusst.

Din Lligwy Stone Hut

Teile der Din Lligwy Hüttengruppe (©Robin Leicester)

Morten Delapore, der Namensgeber und Quell unserer Inspiration, wurde am 03. Juli 1895 im lauschigen Hafendörfchen Moelfre an der Ostküste der walisischen Insel Anglesey geboren. Seine Vorfahren kamen vermutlich Ende des 18. Jahrhunderts nach Wales und ließen sich in der spärlich besiedelten Region nieder. Sie waren jedoch keine Neuankömmlinge, sondern Heimkehrer wie wir nach langen Recherchen herausfanden. Denn in grauer Vorzeit galt Anglesey als Zentrum des Druidentums, weshalb es auch “Insel der Druiden” genannt wurde. Als die Römer 61 n. Chr. unter Gaius Suetonius Paulinus das dortige Heiligtum zerstörten, um den anhaltenden, durch die Priesterschaft geförderten Widerstand der keltischen Bevölkerung zu brechen, mussten die Vorfahren der De La Poers das Land verlassen und nach Süden fliehen. Viele Jahrhunderte später fanden sie ihren Weg zurück auf das Eiland und traten ihr Erbe an. Sie errichteten in den Hügeln hinter dem Moelfre ein Herrenhaus und führten dort ein zurückgezogenes Leben.

Übrigens schrieben die Pagan-Metaller Eluveitie mit “Inis Mona” einen Song über die Druideninsel.