MORTEN DELAPORE

WER IST ER?

Name: Morten “Escape” Delapore
Geburtstag: 03.07.1895
Herkunft: Moelfre, Anglesey, Wales

Die französische Familie De La Poer kam Ende des 18. Jahrhunderts nach Wales, genauer gesagt nach Moelfre im Nordosten der Insel Anglesey. In grauer Vorzeit war die Insel ein Zentrum der Druiden gewesen, weshalb sie auch “Insel der Druiden” genannt wurde. Als die Römer 61 n.Chr. unter Gaius Suetonius Paulinus das dortige Heiligtum zerstörten, um den anhaltenden, durch die Priesterschaft geförderten Widerstand der keltischen Bevölkerung zu brechen, mussten die Vorfahren der De La Poers das Land verlassen und nach Süden fliehen. Viele Jahrhunderte später fanden sie ihren Weg zurück auf das Eiland und traten ihr Erbe an. Sie errichteten in den Hügeln hinter dem Hafenstädtchen ein Herrenhaus und führten dort ein zurückgezogenes Leben.

Motel Escape - Gemälde

Nachdem wütende Waliser 1915 – nach dem plötzlichen und mysteriösen Ableben einiger Säuglinge und Kinder in Moelfre – das Anwesen der Delapores, wie sie dort der Einfachkeit halber genannt wurden, in Brand steckten und den Herrn des Hauses erschlugen, floh der einzig überlebende Sohn, Morten Delapore, in die USA – gemeinsam mit einigen vertrauten der Familie.

Im Jahre 1915 tauchte ein hagerer, kahlköpfiger Mann mit fremdländischem Akzent in dem kleinen, verschlafenen Nest Grand Chenier, Louisiana, USA auf und kaufte für eine horrende Summe ein Stück Land im Osten südlich des Grand Lake auf.  Der aus Wales stammende Einwanderer, der auf den Namen Morten Delapore hörte, ließ eine dort am Rande des 143 Meilen langen Highways 82 stehende Kirchenruine namens Old Creak von seinen aus der Heimat mitgebrachten Männern zu einem ungewöhnlichen Motel aus- und umbauen. Beinahe zwei Jahre arbeiteten die Fremden dort – vor den neugierigen Blicken der Einheimischen durch hohe Holzzäune verborgen –, um am 11. September 1917 endlich das Motel Escape zu eröffnen. Der gewaltige Gebäudekomplex aus dunklem Stein lockte mit seinem fast schon sakralen Charme in kürzester Zeit etliche Neugierige, Touristen und Durchreisende an und wurde bis nach New Orleans hin zum Gesprächsthema.

Aber Morten Delapores von der Sehnsucht nach Erleuchtung getriebener Geist ließ dem Waliser keine Ruhe. 1920, zu Beginn der Goldenen Zwanziger Jahre, kaufte er in der Nähe des knapp 600-Seelen Dörfchens Moose Lake im Carlton County im Osten des US-amerikanischen Bundesstaates Minnesota ein altes Herrenhaus namens “Coeur de Poer” am Rande der Interstate 35 auf und machte ein zweites MOTEL ESCAPE daraus.

1926 eröffnete er in Maine, dem östlichsten Bundesstaat der USA, ein drittes  Escape Motel. Dieses Mal wählte Morten Delapore jedoch keine zu diesem Zeitpunkt rege befahrene Route, sondern entschied sich für die Abgeschiedenheit der Western Bay. An der kleinen Straße, die von Bangor nach Mount Desert Island führte, wurde an einer alten indianischen Stätte ein weiteres Autohotel hochgezogen.

Die Goldenen Zwanziger neigten sich ihrem Ende entgegen und die USA und der Rest der Welt steuerten auf eine Wirtschaftskrise ungeahnten Ausmaßes zu. Nichtsdestotrotz kaufte Morten Escape, wie Mr. Delapore nicht nur in der Presse mittlerweile weitläufig genannt wurde, 1929 ein großes Grundstück am erst 1927 angelegten El Dorado Lake in Kansas direkt an der Interstate 35. Und Trotz der immer schlechter werdenden Zustände in den USA – die Weltwirtschaftskrise hatte die Bundesstaaten fest im Griff –, eröffnete Morten Delapore im Verlauf der nächsten Jahre neun weitere Motels, so dass 1949 insgesamt dreizehn vollkommen unterschiedliche Autohotels zu seinem ungewöhnlichen Imperium gehörten.

Jedes Motel hatte seine eigenen Geschichten, eine eigene Ästhetik und oft unterschiedliche Angebote – jedes einzelne war aber auf eine ungewöhnliche Weise einzigartig. So waren auch die Mythen, die sich um die Etablissements rankten. Dies hatte häufig mit politischen, historischen oder lokalen Begebenheiten zu tun, immer aber umgab die Gebäude der Hauch des Extravaganten.