MOTEL ESCAPE

Escape Room im Essener Süden.

SO FING ALLES AN.

Mit einer forschen Idee zu einzigartigen Live Escape Rooms fing im Frühjahr 2017 alles an. Um unsere Visionen verwirklichen zu können, mieteten wir eine alte Lagerhalle in der Essener Max-Keith-Straße an und begannen kurz darauf mit den ersten Planungen. Doch es kam alles anders …

51°26’10.7″N 7°01’45.2″E

Ort Max-Keith-Straße 11, 45136 Essen
Eröffnung 13. 11. 2019
Besucher
Fläche 600 m²

DAS VERMÄCHTNIS

So fing alles an.

Am 09. August 2017 wurde uns durch eine Speditionsfirma ein riesiger Schiffscontainer unbekannter Herkunft zugestellt. Es gab weder Informationen über den Auftraggeber noch über den Inhalt. Da die Lieferung vollständig bezahlt war, wurde das mysteriöse Behältnis in die Halle verbracht und wir machten uns neugierig an die Öffnung. Doch das Brechen des etwas altertümlich anmutenden Siegels warf mehr Fragen als Antworten auf.

Eine Vielzahl an Gemälden, Büsten, Büchern, Möbeln und vermutlich archäologischen Ausgrabungsstücken aus den unterschiedlichsten Epochen und Kulturen dieser Erde fanden sich darin. Darüber hinaus entdeckten wir in kunstvoll verzierten Kisten einen Familienstammbaum eines uralten französischen Adelsgeschlechtes, die De La Poers, deren Geschichte bis ins frühe Mittelalter zurückreicht und erst Mitte des Zwanzigsten Jahrhunderts abreißt. Ferner bargen wir einige ominöse Gästebücher und Plakate aus dem Staub – allesamt unterschiedlichen Niederlassungen einer Autohotelkette namens Motel Escape zugehörig, die in den Goldenen Zwanzigern und nachfolgenden Dekaden in den USA großen Anklang fanden. In einigen filigran gearbeiteten Schatullen, deren Schlösser sich nur über komplizierte Schließmechanismen öffnen ließen, lagerten zudem zahllose Film- und Tonbandaufnahmen, Schriftstücke, Briefe und Tagebücher eines gewissen Morten Delapore, der diese zu seinen Lebzeiten – in erster Linie allerdings vornehmlich in den späten Dreißigern und durch die Vierzigerjahre des letzten Jahrhunderts hinweg – verfasst und angefertigt hatte.

Unsere Neugier war geweckt. Wer waren diese De La Poers und im Speziellen Morten Delapore selbst? Es verging ein knappes Jahr, um all die obskuren Objekte des Nachlasses zu sichten und teilweise auch analysieren zu lassen – mit oft verwunderlichen und immer wieder auch verstörenden Ergebnissen.

Bis zuletzt konnten wir die Frage, wer Morten “Escape” Delapore war, nicht zufriedenstellend beantworten. Sicher ist nur, dass er nach einem tragischen familiären Unglück 1915 aus Anglesey, Wales in die USA einwanderte und dort eine illustre Autohotel-Kette eröffnete: die Motels Escape. Die 13 Niederlassungen fanden sich meist an historisch oder kulturell relevanten Örtlichkeiten primär in unterschiedlichen Bundesstaaten der USA, aber auch in Kanada. Da gab es das gotische Old Creak in der Nähe des Grand Lakes, Lousiana, das Coeur de Poer im Solana State Forest, Minnesota, das Khimintu am Rande des Acadia-Nationalparks, Maine oder das El Dorado am gleichnamigen See in Kansas. Allen Motels war eine exklusive und extravagante Atmosphäre gemein – ganz dem künstlerischen Genie des Gastgebers entsprechend. Berühmtheiten wie Vincent Price oder Humphrey Bogart gingen hier ebenso ein und aus, wie der britische Okkultist Aleister Crowley, der in regem Kontakt mit Morten Delapore gestanden haben soll.

Mit dem Verschwinden von Morten Delapore in der Nacht zum 13.03.1949 endete vorerst die Erfolgsgeschichte der Motel-Kette. Die Anwesen verwahrlosten und verfielen. Häufig entlud sich auch der Zorn der Anwohner auf den einstigen Besitzer, um den sich eine Vielzahl mysteriöser als auch dunkler Gerüchte rankten. So brannte beispielsweise das Old Creak vollständig nieder; die genauen Umstände bleiben bis heute ungeklärt.

Jedoch sollte es noch weitaus unheimlicher werden. Bei den Umbauarbeiten in unserer Lagerhalle fanden wir Ungereimtheiten in den Grundrissplänen. Schließlich rissen wir eine alte Mauer nieder und entdeckten dahinter alte Räumlichkeiten, die gut und gerne über 100 Jahre alt sein dürften. Dort entdeckten wir neben einer Reihe uralter Aufzeichnungen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs eine handschriftliche Notiz eines Zustellungsauftrages für einen Schiffscontainer aus den USA an die hiesige Adresse mit Zieldatum 11.09.2016. Der Verfasser hatte ein “Delapore-Nachlass” hinzugekritzelt. Das konnte kein Zufall sein!

Beflügelt von den eigenartigen Geschehnissen verbanden sich unsere eigenen Visionen und Ideen zu einzigartigen Live Escape Rooms mit der Historie Morten Delapores. Wir wollten sein Vermächtnis in unseren Hallen neu auferstehen lassen. Je tiefer wir in seine Geschichte und die seiner Familie einstiegen, desto mehr fühlten wir uns von Morten fremdgesteuert. Es war, als wären wir die Werkzeuge, die er benutzte, um sein Erbe und seine Absichten fortzuführen. Doch so unheimlich diese Aneinanderreihung von Ereignissen häufig auch sein mochte, so zugetan nahmen wir uns der Aufgabe an und schufen das Motel Escape. Gemeinsam mit abenteuerlustigen Spielern hoffen wir die Geheimnisse Mortens lüften zu können und bewegende und einzigartige Erlebnisse schaffen.

 

MORTEN DELAPORE

Wer ist er?

Morten “Escape” Delapore (* 03.07.1895 in Moelfre, Anglesey, Wales) ist ein US-amerikanischer Unternehmer walisischer Herkunft, exzentrischer Betreiber einer Motel Kette, schillernder Freigeist, Autor, Künstler und Inspiration unserer Escaperooms.

 

Die französische Familie De La Poer kam Ende des 18. Jahrhunderts nach Wales, genauer gesagt nach Moelfre im Nordwesten der Insel Anglesey. In grauer Vorzeit war die Insel ein Zentrum der Druiden gewesen, weshalb sie auch “Insel der Druiden” genannt wurde. Als die Römer 61 n.Chr. unter Gaius Suetonius Paulinus das dortige Heiligtum zerstörten, um den anhaltenden, durch die Priesterschaft geförderten Widerstand der keltischen Bevölkerung zu brechen, mussten die Vorfahren der De La Poers das Land verlassen und nach Süden fliehen. Viele Jahrhunderte später fanden sie ihren Weg zurück auf das Eiland und traten ihr Erbe an. Sie errichteten in den Hügeln hinter dem Hafenstädtchen ein Herrenhaus und führten dort ein zurückgezogenes Leben.

Die Familie wurde häufig bei geheimnisvollen Unternehmungen in der Nähe alter Gräber und Megalithanlagen gesehen und verbrachte viel Zeit in der Nähe der Ruinen von Beaumaris Castle (wo 1452 die der Hexerei bezichtigte Eleanor Cobham den Tod fand).

Obwohl den Delapores, wie sie der Einfachkeit halber von den Einheimischen genannt wurden, nie etwas nachgewiesen werden konnte, rankten sich die seltsamsten Gerüchte um die Adligen aus der Ferne. Menschen verschwanden, bis tief in die Nacht hinein konnten die Einwohner Moelfres beunruhigende Lichter auf den Hügeln rund um das Herrenhaus beobachten und immer wieder wurden die Familienmitglieder auf Beaumaris Castle gesichtet.

Nachdem wütende Waliser 1915 – nach dem plötzlichen und mysteriösen Ableben einiger Säuglinge und Kinder in Moelfre – das Anwesen der Delapores in Brand steckten und den Herrn des Hauses erschlugen, floh der einzig überlebende Sohn, Morten Delapore, in die USA – gemeinsam mit einigen vertrauten der Familie.

 

Im Jahre 1915 tauchte ein hagerer, kahlköpfiger Mann mit fremdländischem Akzent in dem kleinen, verschlafenen Nest Grand Chenier, Louisiana, USA auf und kaufte für eine horrende Summe ein Stück Land im Osten südlich des Grand Lake auf.  Der aus Wales stammende Einwanderer, der auf den Namen Morten Delapore hörte, ließ eine dort am Rande des 143 Meilen langen Highways 82 stehende Kirchenruine namens Old Creak von seinen aus der Heimat mitgebrachten Männern zu einem ungewöhnlichen Motel aus- und umbauen. Beinahe zwei Jahre arbeiteten die Fremden dort – vor den neugierigen Blicken der Einheimischen durch hohe Holzzäune verborgen –, um am 11. September 1917 endlich das Motel Escape zu eröffnen. Der gewaltige Gebäudekomplex aus dunklem Stein lockte mit seinem fast schon sakralen Charme in kürzester Zeit etliche Neugierige, Touristen und Durchreisende an und wurde bis nach New Orleans hin zum Gesprächsthema.

Nach Ende des Ersten Weltkrieges zog es sogar Menschen aus der Alten Welt, vor allem aus Frankreich und England, in das sagenumwobene Motel.

Die Besonderheit des Motels Escape war nicht einfach nur die neugotische Bauweise und die für die Region außergewöhnliche Architektur, sondern in erster Linie die kulturelle Ausrichtung des Etablissements. Die vier Flügel des Gebäudes waren unterschiedlichen Themengebieten und Epochen zugeordnet. So konnten gutbetuchte Besucher beispielsweise in der “Suite d’Inquisition” – in jenen Tagen war Französisch als Zweitsprache in der Region noch recht weit verbreitet – oder im “Chambre de Notre Dame” nächtigen und dabei eine Reihe von Kunstwerken betrachten, Geschichten lesen oder sogar düsteren Aufführungen beiwohnen. Denn Morten Delapore war ein expressiver Künstler, der nicht nur zahlreiche Gemälde im Anwesen selbst gemalt, sondern auch eine Vielzahl von verstörenden Kurzgeschichten verfasst hatte, die von Komparsen als besondere Attraktion vorgetragen oder sogar gesungen wurden – oftmals zu fremdartigen Melodien. Auch die Statuen und Büsten, Feuerspeier und Basreliefs, die das Motel zierten, wurden nicht selten von Morten Delapore selbst entworfen. Den Hausherrn sahen die Gäste jedoch nur selten. Dann aber wurde er als freundlicher wenngleich zurückgezogener, gebildeter aber mysteriöser Mann mit markanten Zügen beschrieben. Er schien vor allem Nachtspaziergänge zu lieben und wanderte oft stundenlang durch die nicht ganz ungefährlichen Sümpfe der Umgebung. Tagsüber soll er sich häufig in seinem Atelier im Keller des Anwesens aufgehalten haben.

Aber Morten Delapores von der Sehnsucht nach Erleuchtung getriebener Geist ließ dem Waliser keine Ruhe. 1920, zu Beginn der Goldenen Zwanziger Jahre, kaufte er in der Nähe des knapp 600-Seelen Dörfchens Moose Lake im Carlton County im Osten des US-amerikanischen Bundesstaates Minnesota ein altes Herrenhaus namens “Coeur de Poer” am Rande der Interstate 35. Mit fast identischem Vorgehen wie in Louisiana, wurde das mehr als 150 Jahre alte Gebäude komplett saniert, erweitert und zu einem weiteren Motel Escape umgebaut. Im Gegensatz zu dem gotischen Bauwerk im Süden, setzte Morten Delapore hier auf die typische Holzbauweise der Region, bot aber ähnliche kulturelle Schauspiele, Aufführungen, Ausstellungen und Kunstwerke an. Besucher des Autohotels gastierten hier häufig, um in den nahegelegenen Solana State Forest zu wandern, der für seine großflächigen Feuchtbiotope und Moorlandschaften berühmt ist. Als 1925 ein Großfeuer im White Pine Township das von Jame McGrath geführte Sägewerk in Schutt und Asche legte und 1200 Menschen ihre Arbeit verloren, kam Morten Delapore in die Schlagzeilen. Er solle mit dem Brand in Verbindung stehen – erneut konnte dem Betreiber des Motels jedoch keine Täterschaft nachgewiesen werden. In Zusammenhang mit dem exzentrischen Eigenbrötler führte dieses Ereignis jedoch zu einem weiteren Aufschwung für die neuen Zweigstelle.

So dauerte es nicht lange, bis 1926 auch in Maine, dem östlichsten Bundesstaat der USA, ein Motel Escape eröffnete. Dieses Mal wählte Morten Delapore jedoch keine zu diesem Zeitpunkt rege befahrene Straße, sondern entschied sich für die Abgeschiedenheit der Western Bay. An der kleinen Straße, die von Bangor nach Mount Desert Island führte, wurde an einer alten indianischen Stätte ein weiteres Autohotel hochgezogen. Der Erfolg ließ nicht lange warten, denn zahlreiche Besucher auf der Durchreise in den Lafayette Nationalpark machten hier Zwischenstopp. Als das Naturschutzgebiet drei Jahre später in Acadia-Nationalpark umbenannt wurde, war das Motel keinen Tag mehr nicht ausgebucht. Es wird gemunkelt, dass einige der Geschichten aus Morten Delapores Feder, die von den alten Mythen der in der Region einst ansässigen Mi’kmaq-Indianer handelten, überhaupt erst das Interesse an Acadia weckten und den Park zu den zehn erfolgreichsten der USA machte.

Besonderheit dieser Niederlassung, die inoffiziell Khimintu, nach dem Schöpfergott der Mi’kmaq genannt wurde, waren die einzelnen im Wald stehenden Wigwams, die von Gästen für die Übernachtung gemietet werden konnten. Dazu gab es entsprechende Kost und einen Jagdausflug in die unberührte Natur der Region. Bei einigen dieser Aktionen sollen hin und wieder Besucher verschwunden sein …

 

Die Goldenen Zwanziger neigten sich ihrem Ende zu und die USA und der Rest der Welt steuerten auf eine Wirtschaftskrise ungeahnten Ausmaßes zu. Nichtsdestotrotz kaufte Morten Escape, wie Mr. Delapore nicht nur in der Presse mittlerweile weitläufig genannt wurde 1929 ein großes Grundstück am erst 1927 angelegten El Dorado Lake in Kansas direkt an der Interstate 35. Reisende zwischen Kansas City und Wichita konnten in dem Cowboy-Saloon den Mittleren Weste von seiner “besten” Seite kennenlernen. Die Region wurde verstärkt ab 1744 von den Franzosen erschlossen, die nahe Fort Leavenworth einen Handelsposten errichteten. Zu dieser Zeit müssen auch die De La Poers in die Gegend gekommen sein und ein altes Gasthaus eben dort errichtet haben, wo dann später das Motel Escape stand.

Der Standort gelangte am 06. August 1932 zu zweifelhaftem Ruhm als Michael Edward Adams, der bis dahin kaum bekannte Sohn des Serienmörders und Verbrechers Edward J. “Eddie” Adams in das Autohotel einbrach, einige Gäste grauenvoll hinrichtete, andere als Geiseln hielt und nach einer Schießerei mit der Polizei schwer verletzt türmen musste. Seine Leiche wurde niemals gefunden … Und dennoch verhalf dem Motel-Standort dieses Ereignis zu überregionalem Ruhm.

Trotz der immer schlechter werdenden Zustände in den USA – die Weltwirtschaftskrise hatte die Bundesstaaten fest im Griff –, eröffnete Morten Delapore im Verlauf der nächsten Jahre neun weitere Motels, so dass 1949 insgesamt dreizehn vollkommen unterschiedliche Autohotels zu seinem ungewöhnlichen Imperium gehörten.

Jedes Motel hatte seine eigenen Geschichten, eine eigene Ästhetik und oft unterschiedliche Angebote – jedes einzelne war aber auf eine ungewöhnliche Weise einzigartig. So waren auch die Mythen, die sich um die Etablissements rankten. Dies hatte häufig mit politischen, historischen oder lokalen Begebenheiten zu tun, immer aber umgab die Gebäude der Hauch des Extravaganten.

Schauspieler wie Humphrey Bogart oder auch Vincent Price gehören zu den zahlreichen namhaften Gästen der Kette. Auch Michael Joseph Levey, der Vater des Gründers und Hohepriesters der amerikanischen Church Of Satan, Anton Szandor LaVey, wie auch der britische Okkultist und Schriftsteller Aleister Crowley statteten den einzigartigen Autohotels Besuche ab – Crowley soll während seiner Pariser Jahre sogar dreimal bei Morten Delapore zu Gast gewesen sein.

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Morten Escape zusehends exzentrischer, verschrobener und … paranoider. Er begann seinen Gästen zunehmend unheimlicher zu werden, wurde später sogar handgreiflich und verängstigte einige Besucher mit prophetischen Drohungen. Auch die Kunstgegenstände in den Räumlichkeiten hatten das Maß des Erträglichen längst überschritten und machten den Motelgästen nur noch Angst.

In der Nacht auf den 13.03.1949 hörten Gäste in Old Creak schließlich seltsame Geräusche aus dem Kelleratelier. Am nächsten Morgen waren sieben Hotelgäste als auch Morten Delapore selbst spurlos verschwunden. Das Anwesen wurde daraufhin von der Polizei auf den Kopf gestellt. Jedoch ohne brauchbare Ergebnisse. Wenig später brannte die Niederlassung in Louisiana nieder. Augenzeugen berichteten, dass die Flammen aus der Erde hervortraten und erst dann auf das Motel übergriffen …

Motel Escape - Gemälde